Max Annas: Die Mauer

Rowohlt Taschenbuch, 2016, 220 S., ISBN: 349927163X, auch als E-Book erhältlich

„Das ist große Erzählkunst. Lesen sie das. Sofort. Für mich schon jetzt der beste Krimi des Jahres” befiehlt der Rezensent der Krimikolumne des Bücherdiwans Andreas Ammer ins Mikrophon. Nun gut, meinen Band mit Erzählungen von Carl Nixon kann ich durchaus mal unterbrechen, um den hochgelobten Krimi von Max Annas dazwischen zu schieben. Man ist ja doch neugierig. Immerhin steht der Roman auf Platz eins der KrimiZEIT-Bestenliste. Ist also erfolgreich wie sein Vorgänger „Die Farm”, der mit dem deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde. Ich folge dem Rezensenten.

Der Krimi hat gut zweihundert Seiten, die in 115(!) Kapiteln unterteilt sind. Wenn man hier kurze, schnelle Schnitte im Fortgang der Erzählung vermutet, liegt man genau richtig. So funktioniert der Roman, der im Übrigen in Südafrika spielt, nur spielen kann, trotzdem aber auch überall spielen könnte. Verwirrend? Moment: Moses, der Titelheld, kriegt seinen Toyata nicht mehr in Gang. Er will weg aus dem sengend heißen Vorort zum tête-à-tête mit seiner Freundin Sandi. Dazu muss er seinen Wagen reparieren, was er allein nicht kann. Er schummelt sich in die nahe gelegen Gated Community, um dort Hilfe zu holen. Ein Fehler, eindeutig. In dieser abgeschlossenen Welt der Weißen tummeln sich bereits ein Einbrecherduo, Sicherheitsdienste, jede Menge Rassisten, eine noch nicht ganz gefrorene Leiche und noch dieser und jene. Moses kann die erhoffte Hilfe nicht finden und registriert ziemlich schnell, dass er sich so schnell es geht, aus dem Staub machen sollte. Schnell geht bedauerlicherweise nicht, dafür sorgen die weiteren Anwesenden. Es zeigt sich in diesem Krimi rasch: Es geht um das Entkommen aus einer schier aussichtslosen Lage.

Sicherlich wird in Max Annas „Die Mauer” auch Rassismus angesprochen, aber der moralische Finger fehlt auf das Angenehmste, die Handlung spielt zwar in Südafrika, aber es geht hier nicht um eine Milieu- oder Sozialstudie. So gesehen kann er überall spielen. „Die Mauer” ist schnell, rasant, spannend, lakonisch und bizarr. Ein Hammer von Buch, großes Vergnügen garantiert, doch leider an einem Nachmittag fertig gelesen. Es bleibt mir, mich dem oben genannten Rezensenten anzuschließen: Lesen. Gleich.

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