Meine Literaturliste Oktober 2008 bis Juli 2010

Hier nun eine Auflistung von Beiträgen aus meiner Myspace-Zeit:

16.Juli 2010
Stewart O’Nan: Engel im Schnee (Snow Angels)
(rororo 251 S.)

Der 14 jährige Arthur in einer amerikanischen Kleinstadt in Pennsylvania. Er erzählt die Geschichte seiner Familie, die zerbricht. Von der toten Annie, seine frühere Babysitterin. Ihren trunksüchtigen, von ihr getrenntlebenden Ehemann Glenn. Dem mysteriösen Tod ihrer gemeinsamen Tochter Tara, deren Leiche er findet.
Ein trauriges Buch. Ein wahres Buch. Die Figuren sind echt, sie berühren mich und lassen mich ihre dumpfe Verzweiflung spüren. Wie konnte es nur dazu kommen? (Und spannend ist es auch noch)
Ein ganz besonderes Buch, ohne Zweifel ein Meisterwerk.

20.April 2010
Russell H. Greenan: In Boston? (It Happened In Boston?)
(detebe, 395 S.)

Heute habe ichs ausgelesen. Selten war ich so beeindruckt von einem Buch wie von diesem.

Aber der Reihe nach (wenn das überhaupt geht):

Russell H. Greenan wurde 1926 in der Bronx geboren, arbeitete für eine Maschinenfabrik und als Antiquitätenhändler. 1966 reiste er mit seiner Familie nach Nizza, wo er diesen Roman schrieb. Es wurde ein Kultbuch. Dann vergessen … nun ist es wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Gottseidank!

Die Geschichte:

Hauptfigur ist Alfred Omega. Der träumt sich vorzugsweise im Bostoner Public Park in andere Welten und entfernte Zeiten. Und er ist ein ausgezeichneter Maler. Und er versucht Gott näher zu kommen, denn er hätte da einige Fragen.

Dann trifft er auf Victor Darius, einem Kunsthändler, und seine Karriere in der Kunstwelt scheint gesichert. Es beginnt eine Achterbahnfahrt durch die Kunst Szene in Boston, New York und London.

Es bevölkert diesen Roman eine Vielzahl an skurrilen Personen, die Handlungsstränge bersten über von schrillsten Einfällen …. und trotzdem: alles bleibt logisch und die Handlung schlüssig. Es ist ein Kunst Krimi und noch soviel mehr. Man lacht und weint (die Handlung ist unglaublich witzig und mit einem Schlag todtraurig),  …. und man ist erstaunt und fasziniert von diesem Meisterwerk.

4. März 2010
Eduard von Keyserling: Schwüle Tage
(Manesse, 440 S.)

Ich mag diesen Keyserling (1855-1988) sehr. Sowohl die kolportagenartigen ersten Romane wie „Fräulein Rosa Herz“, als auch die subtilen Beschreibungen des baltischen Adels. „Wellen“ ist wohl die bekannteste seiner Novellen. Das erinnert sehr an Proust: alles scheint geordnet, harmonisch, sorgenfrei, und dahinter die Kälte, die Sinnlosigket, der Untergang …

Leider gibt es eine seiner letzten und schönsten Novellen „Am Südhang“ nur in der relativ teuren Manesse Ausgabe. Aber was heißt hier leider: Manesse macht die schönsten Bücher (wie ich finde) und es ist eine reine Freude, Keyserlings Erzählungen in diesem Band zu genießen.

6. März 2010
Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen
(Fischer, 431 S.)

Ein junger japanischer Mönch, verletzt, auf der Flucht, wandert durch die verschneite Gegend um Freiburg. Die Hauptkommissarin Louise Boni folgt ihm. Bald geschieht der erste Mord …

Der preisgekrönte Erstling von Oliver Bottini. Ich bin gespannt …

29.Januar 2010
Stieg Larsson: Verblendung
(Heyne, 688 S.)

Stieg Larsson wurde 1954 in Schweden geboren. Er war Journalist, Schriftsteller und Herausgeber des antirassistischen Magazins Expo. Er stand Zeit seines Lebens unter Strom. Mit 14 Jahren wurde er Zeuge einer Vergewaltigung, ohne daß er dem Opfer half. Eine Schuld, die ihn fortan gegen jede Art von gesellschaftlichen Mißständen anschreiben ließ. Er starb 2004.

Verblendung ist der erste Teil einer Trilogie: Ein Industrieller, 82 Jahre alt, bekommt seit 43 Jahren eine gepreßte Blume hinter Glas zu seinen Geburtstagen anonym zugeschickt. Vor 43 Jahren bekam er dieses Präsent zum ersten Mal von seiner Lieblingsnichte, die seit dieser Zeit spurlos verschwunden ist. Der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander machen sich auf, die Hintergründe dieses Familiendrams aufzudecken. Sie entdecken Grauenvolles ….

Wirklich spannend, ein Pagetuner und eine klasse, unkonventionelle  Heldin …

01.Januar 2010
Die Bibel in einem Jahr

Es ist DAS BUCH unseres Kulturkreises. Ich selbst bin Agnostikerin, in meiner Familie spielte der Protestantismus über die Jahrhunderte eine große Rolle: Salzburger Exculanten, Hugenotten, die aus Lille kamen, Reformierte aus der Schweiz waren darunter …..
Grund genug, dieses Buch einmal von vorne bis hinten durchzulesen.

–  Die Zürcher Bibel
–  “ … und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein.“
Die neue Zürcher Bibel feministisch gelesen
–  Elberfelder Bibel mit Erklärungen
–  Herders neues Bibellexikon

04. Dezember 2009
Mark Z. Danielewski: Das Haus (Hoese Of Leaves)
(btb, 797 S.)

… nun gibts es als Taschenbuch, als sehr großes Taschenbuch, und alles andere muß warten

„Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern gehen Sie einfach weiter. Da ist nichts. Seien Sie vorsichtig… “

09. November 2009
David Wagner: Vier Äpfel
(rowohlt, 159 S.)

Ein Mann geht einkaufen, 150 Seiten lang, er wundert sich, daß vier Äpfel genau 1000 Gramm wiegen, er schweift ab, denkt an seine Liebe, die ihn verließ, an Lebensmittelgeschäfte wie sie früher waren, philosophiert über Einkaufsverhalten und die Warenwelt. Ja dieses Buch ist ein Supermarktroman …. und unglaublich unterhaltend! Bravo!

22. Oktober 2009
In letzter Zeit erworben oder geschenkt bekommen:

– Jürgen Osterhammel:
Die Verwandlung der Welt (C.H. Beck)

– Hans Jacob Christoffel von Grimmelhausen.
Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch
Aus dem Deutschen des 17. Jahrh. von Reinhard Kaiser
(Eichborn)

– Sergej Lukianenko:
Der Wächter der Nacht (Heyne)

– Roberto Bolaño:
2666 (Hanser)

– David Foster Wallace:
Unendlicher Spaß (Kiepenheuer & Witsch)

– Christian Sprang, Matthias Nöllke:
Aus die Maus · Ungewöhnliche Todesanzeigen

(Kiepenheuer & Witsch)

– Nicholas D. Satan:
Das Tagebuch des Teufels (Eichborn)

– Ernst-Wilhelm Händler:
Welt aus Glas (Frankfurter Verlagsanstalt)

– Henry James
Benvolio (frühe Erzählungen)
(Manesse)

-Bernd Jürgen Warneken
Schubart (Eichborn Verlag)

5. Juni 2009
Stendhal: Rot und Schwarz
Neuübersetzung von Elisabeth Edl

Ein Klasssiker von 1830. Der Roman spielt im Paris nach Napoleon. Julien Sorel kommt aus der Provinz, um in der Metropole den sozialen Aufstieg zu erproben. Sein Werkzeug ist die Liebe ….

Inzwischen hat Elisabeth Edl auch „Die Kartause von Parma“ übersetzt. Ihre Arbeit wurde in allen Feuilletons gefeiert.

Heut fange ich an zu lesen …

1. Juli 2009
Zoran Drvenkar: Du bist zu schnell (dtv, 296 S.)

Die Heldin Val erwacht in der geschlossenen Anstalt. Sie hat Halluzinationen, ausgelöst durch heftigen Drogenkonsum und wenig Schlaf. Oder hat sie etwas gesehen, was sie nicht sehen sollte? Eine Welt, die in der unsrigen verborgen ist? Die Welt der Schnellen…

„Zoran Drvenkar schreibt auf den Spuren von Stephen King, nur konzenrierter und wesentlich dichter, mit einem Wort: besser.“ So oder ähnlich wie auf dem Umschlagtext dieser Ausgabe habe ich es schon oft gelesen, selten hat es das Buch dann auch hergegeben. Diesmal hats alle Erwartung noch übertroffen. Atemlos, immer irrer werdend, immer spannender, kein Satz überflüssig, ein einziger Sog und selbst der Schluß überzeugt. Kurzum: ein klasse Thriller, wirklich!

3.Juni 2009
Judith Hermann: Sommerhaus, später (1998)

Heute habe ich die letzte Geschichte in dem berühmten Erstlingserzählband von Judtih Hermann gelesen … und ich bin sehr begeistert. Die Kunst von Hermann ist das Weglassen, sie läßt so Platz für die eigene Erfahrung, für die eigene Phantasie. Ich mag Erzählungen eigentlich nicht besonders; aber ich liebe diese Geschichten, die meist in und um Berlin spielen und die Generation um die 30, 40 betreffen.
Allergrößte Empfehlung!!!

29.April 2009
Johannes Freumbichler: Philomena Ellenhub (591 S.)

Johannes Freumblicher ist der Großvater des berühmten österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Freumblichers Schriftstellerei war kein Erfolg beschieden, fand aber einige Anerkennung (Förderungspreis des Großen Österreichischen Staatspreises) mit diesem Roman von 1937.

Es geht um die Lebensgeschichte eines Bauernmädchens im 19. Jahrhundert. Vorbild für die Figur war Freumbichlers Mutter. Keine Idylle, die hier beschrieben wird …

24.April 2009
Per Petterson: Pferde stehlen
(Out stealing horses)

Der 67 jährige Trond zieht sich nach Ostnorwegen zurück. Die Vergangenheit holt ihn ein als ein Nachbar auftaucht ….

Es geht um Liebe, Glück, die Jugend, das Alter, um die Landschaft und die Einsamkeit. Ich habe „Sehnsucht nach Sibirien“ vor einiger Zeit gelesen …. das war ein ganz und gar wunderbares Buch. Ich bin sehr erwartungsvoll.

… und nach der Lektüre bin ich vollkommen begeistert, mit das Schönste und Berührendste, was ich die letzten Jahre gelesen habe.

2.April 2009
Louis-Ferdinand Céline. Reise ans Ende der Nacht (Übersetzung von Hinrich Schmid-Henkel!)
(Journey To The End Of The Night)

Céline war 1932 noch nicht dieser widerwärtige Antisemit, der er wenig später auf fast pathologische Art und Weise wurde. Er war Anhänger der Psychoanalyse und er war wütend. Wütend gegen die Niedertracht des Bürgertums, wütend auf die Welt, die ihre Rechnungen auf Kosten der Armen begleicht. Und das alles in diesem Roman von höchster Kunstfertigkeit, alle bekannten Fesseln sprengend (ein Gegenentwurf zu Prousts Recherche). Ein Aufschrei .

30.März 2009
Richard Stark: Fragen Sie den Papagei  (Ask the Parrot)

Ein Spätwerk des amerikanischen Meisters des roman noir. Der gefühlslose, kalte Parker ….. er ist auf der Flucht und er ist skrupellos … und er ist ein Profi.

Das ist unglaublich gut geschrieben, man hetzt durch die Seiten, wow! Solchen Stoff gibt es nicht allzu oft ….

27.März 2009
Michael Tsokos: Dem Tod auf der Spur

Herr Tsokos ist Rechtsmediziner und dies ist ein Sachbuch. Zwölf Fälle werden geschildert …

Zum Beispiel: Ein Mann sitzt in seinem Auto, ordnungsgemäß angeschnallt, allerdings geköpft. Der Kopf liegt im Fußraum der Rückbank. Was ist geschehen?

Man ist nirgends und nie wirklich sicher …

25.März 2009
Edgar Allen Poe: Die Geschichte des Arthur Gordon Pym aus Nantucket
(Arthur Gordon Pym. A Romance)

1966 erschien die erste vollständige Übersetzung dieses Abenteuer-, Bildungs-, Initiations- und Episoden-Romans. Und tatsächlich ist diese Geschichte eines Schiffbrüchigens von allem etwas und er ist ein Hauptwerk der amerikanischen Literatur. Die Übersetzung damals besorgte der von mir geliebt und verehrte Arno Schmidt.

Nun gibts eine neue übertragung von Hans Schmid im Marebuch Verlag. Nicht ganz billig (knapp 40 Euro), aber unglaublich üppig mit Kommentaren, Chroniken, Poes Leseliste und diversen Buchillustrationen ausgestattet. Eine wunderbare Ausgabe …

21.März 09
Michael Ondaatje: Divisadero

„Der englische Patient“ kennt jeder. Es wird mal wieder Zeit einen neuen Ondaatje zu lesen. Hochgelobt wurde dieses Buch ja schon …
Muß leider sagen, daß es mich gelangweilt hat und ich es nicht fertig lesen will.

27.Feb.09
Scott Sigler: Infiziert (Infected)

Außerirdische lassen normale Menschen zu Psychopathen werden. Es fängt mit einem Jucken an …..  nix für Hypochonder.
Sehr spannend, aber der Schluß überzeugt nicht wirklich.

16.2.09
Über 3 Stunden in der Kneipe

mit Freundin Christiane. Fast ausschließlich über Bücher gequasselt:

Thomas Bernhard
Robert Merle
Fritz v. Herzmanovsky-Orlando
Jeff vanderMeer
Rainer Maria Rilke
Hermann Hesse
Marcel Proust
Scott Sigler
Richard Stark
Oskar Maria Graf
Miguel de Cervantes Saavedra
Johannes Freumbichler

und noch einige mehr …und verrissen  haben wir auch ein paar …

1.2.09
Robert Merle: Der Tod ist mein Beruf (Death Is My Trade)

Der Holocaust aus der Sicht eines Täters. Rudolf Höß war Kommandant von Ausschwitz. Er war kein Sadist, er war ein Bürokrat, ein gefühlsloser Befehlsempfänger (Er tat seine Pflicht). Robert Merle schrieb dessen Lebensgeschichte als Roman von 1950 bis 1952. Quellen waren hauptsächlich Notizen und ein Bericht des amerikanischen Psychologen Gilbert, der ein langes Interview mit Höß führte.

Der Roman kommt gänzlich ohne Effektheischerei aus. Er ist bedrückend und faszinierend zugleich. Er ist „groß und kalt“.

14.1.09
Uwe-Carsten Fiebig: Münchner Hausberge im Panorama (with English translation added)
(Edition Panorama, 65 Abb., 78,- €)

Wow!  Nö, selbst leisten kann ich mir dieses Hammerbuch nicht. Aber ich hab es für jemanden besorgt, mache ein schnelles Bild

Münchener Hausberge
und schreibe noch, daß fünfundsechzig 360° Grad Panoramen hier gezeigt werden. Jedes fast einen Meter breit. Wunderschön anzuschauen (und ich bin keine Bergsteigerin!). Toll, daß ich es erst Samstag weitergeben muß …

9.1.09
Alan Bennett: Die souveräne Leserin (The Uncommon Reader)
(Wagenbach, 115 S.)

„Wo wir jetzt unter uns sind“, sagte die Queen, nach rechts und links lächelnd, während sie durch die glanzvolle Gesellschaft glitt, „kann ich Sie – was mir schon lange am Herzen liegt – nach dem Schriftsteller Jean Genet ausfragen.“

Man ist erst überrascht, liest weiter und amüsiert sich sehr. Schöne kleine Geschichte übers Lesen mit überraschendem Schluß.

Danke Susanne für das unterhaltsame Weihnachtsgeschenk! :=)

6.1.09
John Harvey: Verführung zum Tode (Loneley Hearts)
(dtv, 393)

Mag die Krimis des britischen Autors John Harvey sehr. Es wird keine Fassade gezeigt, sondern aus dem Leben geschrieben, Helden mit Ecken und Kanten, und alles hat einen gewissen Grad an Düsternis. In „Verführung zum Tod“ wird Charlie Resnick (geschieden, übergewichtig, schlecht gekleidet, vier Katzen) als Detective Inspector eingeführt. Es geht um Morde und Komtaktanzeigen …. sehr spannend, toll geschrieben.

26.11.08
Kleist – Sämtliche Erzählungen
(Deutscher Klassiker Verlag)

Zwischendurch mal wieder Kleist gelesen: Der Findling. Und wieder
erstaunt wie modern dieser Klassiker ist. Atemlos, fast wie ein
Bericht, Düsternis zwischen den Zeilen. Ganz ohne Schnörkelei  malt er
ein Bild, das einen gefangen hält, auch nach der Lektüre noch.

Ich habe mir eine das zweite mal ‚Kleist – Sämtliche Erzählungen‘
zugelegt: Die  TB Ausgabe von Deutscher Klassiker Verlag ist zwar
bisserl teurer (18,-), hat aber einen unübertrefflichen Anhang und
Kommentarteil.

4.11.08
Eugène Sue: Die Geheimnisse von Paris (Mysteries Of Paris)
(insel taschenbuch, 1985 S.)

Endlich ist der Klassiker von 1843 wieder in deutscher und vollständiger! Übersetzung zu haben, mit wunderschönen Illustrationen dazu … spannend, furios, atemberaubend.Wie schön, daß das erst nach fast 2000 Seiten aufhört.

1.11.08
Josef Winkler bekommt den Georg-Büchner-Preis 2008 verliehen

Damit bin ich sehr  einverstanden. ‚Friedhof der bitteren Orangen‘ ist einer der schönsten und traurigsten Romane, die ich kenne. Und ich mag auch die anderen …

 28.10.08
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
(Kiepenheuer und Witsch 160 S.)

Aus dem Klappentext zitiert:
‚Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten‘ ist die literarische Erfindung eines alternativen Verlaufs der Weltgeschichteseit dem ersten Weltkrieg. Es ist das Jahr 1917. Lenin besteigt nicht den plombierten Waggon von Zürich nach Sankt Petersburg. Die russische Revolution findet nicht statt. Stattdessen erlebt die Schweiz einen kommunistischen Umsturz, und die Geschichte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich völlig anders als wir sie heute kennen. So erzählt dieser zunächst historisch anmutende Roman die Geschichte eines Schweizer Politkommissars, der einen Mord aufklären soll und zur Reduit, zur großen Schweizer Bergfestung, in das Herz der Finsternis reist.‘

Man sieht, alles ist irgendwie anders (und noch viel mehr als der Klappeppentext andeutet ist anders), die Welt ist auf den Kopf gestellt (oder auch nicht), irgendwie ist alles ein Albtraum, und der Held bewegt sich in ihm, als wäre es die Normalität (was den Albtraum ja ausmacht).

Manchmal scheint mir alles Prophezeiung zu sein, manchmal eine Parabel auf unsere jetztigen Zustände und manchmal wähne ich mich in einem dunklen Science Fiction, in dem Handlung und Sprache eins geworden sind.

Ich glaube, daß dieser Roman ziemlich großartig ist. Leichter Stoff für zwischendurch ist es allerdings nicht.Mich hat er einigermaßen sprachlos und fasziniert zurück gelassen.

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