»Stettin, den 1. September 1916. Herrn und Frau N.N.! Die gewaltige Wendung, die die Gnade des allmächtigen Gottes, unsere durch seine Macht und Kraft bewaffneten Truppen uns errungen haben, lassen uns in eine große gesegnete kommende Zeit blicken. Möchte unser Volk so viel Gnade nie vergessen, nie den alten Gott, der Staat und Volk vor allem Übel bewahrt. Ihre Wohnung kostet vom 1. Oktober ab 30 Mark. Achtungsvoll Frau R.«
(Karl Kraus: Die Fackel Nr. 445-453, 68)
Ich stelle »›Ein Spiel, gesinnungslos wie die Liebe.‹ Das Leben des Satirikers Karl Kraus« von Katharina Prager vor

Ich erinnere mich: Die Wohnung eines Freundes oben im alten Bürgerhaus am Fischmarkt, die Regale im Flur voll mit Büchern und auf erheblicher Strecke die Jahrgänge der Fackel von Karl Kraus. Natürlich von Zweitausendeins verlegt, wie so viele dieser besonderen, vergessenen und geborgenen Schätze. Einiges davon ist auch in den eigenen Regalen gelandet, vieles später mühsam und unter Tränen entsorgt. Zu Karl Kraus also: Geborenen 1874 in Jičín (Böhmen), gestorben 1936 in Wien, gilt bis heute mit seinem polemisch-satirischen Werk als einer der bedeutendsten Sprach- und Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts. ›Die letzten Tage der Menschheit‹, ›Die Fackel‹, die ›Dritte Walpurgisnacht‹, Aphorismen, Essays, Gedichte und unzählige Glossen. Katharina Prager hat sich dem Leben dieses Mannes in einer Art Biographie in Bildern und Szenen genähert: »›Ein Spiel, gesinnungslos wie die Liebe.‹ Das Leben des Satirikers Karl Kraus«
