Iwan Gontscharow: Oblomow

Hanser Verlag 2012, 840 Seiten, ISBN: 978-3446238749, übersetzt von Vera Bischitzky, auch als Taschenbuch bei DTV erhätlich.

1859 betritt Oblomow die literarische Welt. Leser und Leserinnen dieses Romans von Iwan Alexandrowitsch Gontscharow (1812-1891) haben gegenüber den Romanen der großen Dostojewskij und Tolstoi einen Vorteil: Es hat zwar viele Seiten, aber das Personal bleibt übersichtlich. Man weiß also immer, wer die handelnden Personen sind. Und wenn man bei den Hausangestellten doch einmal durcheinandergerät, hat man eben zu schnell gelesen. Es passiert außerdem nicht wahnsinnig viel auf den 746 Seiten: Oblomow, der zu Beginn des Romans etwa dreißigjährige Held, lebt in Sankt Petersburg und ist gefangen in seiner Lethargie. Den Staatsdienst hat er hingeschmissen, allein die russische Klassengesellschaft der Zarenzeit sichert ihm materielles Auskommen. Dieses gerät in Gefahr, weil selbst die Unterhaltung des väterlichen Gutes ihn überfordert: Nichts wird zur Tat, alle Gedanken zur Verbesserung erstarren zu Träumen und Phantastereien. Zudem versuchen zweifelhafte Freunde, ihn übers Ohr zu hauen. Doch es gibt zwei Personen, die ihn lieben und versuchen, Oblomow zu retten. „Iwan Gontscharow: Oblomow“ weiterlesen

Edlef Köppen: Heeresbericht

HEERESBERICHT
Nikol Verlag, 400 Seiten, ISBN 978-3-86820-129-1

Edlef Köppen wurde 1893 geboren. Er war Kriegsfreiwilliger und nahm von Oktober 1914 bis Oktober 1918 am I. Weltkrieg teil. Seine Erfahrungen verarbeitete er in seinem bekanntesten Roman „Heeresbericht“, der 1930 veröffentlicht wurde. 1939 starb Köppen an den Folgen einer Kriegsverletzung.

Im „Heeresbericht“ werden die Erlebnisse des anfangs kriegsbegeisterten Adolf Reisiger von 1914 bis 1918 geschildert. Sie enden mit Reisigers psychischen Zusammenbruch und seiner Einlieferung in eine Heilanstalt. Erzählt wird in einem lakonischen Ton, ohne jede Weinerlichkeit oder Kaltschnäuzigkeit. So steht dieser Roman irgendwo zwischen Remarques „Im Westen nichts Neues“ und Jüngers „In Stahlgewittern“. Köppen bedient sich des Montierens von Originaldokumente (Zitate des Kaisers, Zeitungsberichte, Reklame, Tagebucheinträge, etc.) im Text, sowie gelegentlich eingeschobener Bewußtseinsströme. Der Roman wirkt bei heutiger Lektüre ungeheuer modern und erzeugt große Intensität. Zu Unrecht steht er in der zweiten Reihe derjenigen Romane, die den I. Weltkrieg zum Thema haben. „Edlef Köppen: Heeresbericht“ weiterlesen