Kurze Notiz zu ›Was wir wissen können‹ von Ian McEwan
Den britischen Schriftsteller Ian McEwan wird man spätestens seit ›Abbitte‹ oder ›Saturday‹ kennen, wenn man sich für Gegenwartsliteratur interessiert. Nun, in meinem Fall war es ein Lustkauf: Ich stöberte im Büchergilde-Regal meiner Buchhändlerin, dieses Jahr hatte ich noch nichts gekauft, und ich nahm das schön aufgemachte Buch zur Hand, um im Klappentext u. a. zu lesen: 2119 forscht der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe über einen langen Sonettenkranz des Dichters Francis Blundy, den dieser seiner Frau Vivien zu deren Geburtstag 2014 gewidmet hat und der ein Mythos ist, weil er seitdem verschwunden ist. Das Setting klingt ziemlich merkwürdig und Bedarf der näheren Erklärung.








Wir sind im Nordwesten Schottlands, man schreibt das Jahr 1869, es ist August. In einem kleinen Bauerndorf werden auf brutale Art und Weise drei Mitglieder der Familie Lachlan Mackenzie, dem neuen Constabler des Dorfes, niedergemetzelt: Mackenzie selbst, seine Tochter und sein Sohn. Mörder ist der siebzehnjährige Roderick Macrae, Sohn eines verarmten Nachbars und Crofters, einem schottischen Kleinbauern. In Ordnung, dann wäre der Fall ja gelöst und niemand braucht das Buch mehr zur Hand zu nehmen. Mitnichten, denn in diesem Kriminalfall geht es um das Wie und Warum. In seinem zweiten Buch, das erste wird aufgrund des Erfolgs von „Der Fall Roderick Macrae” demnächst in deutscher Übersetzung erscheinen, zeigt der schottische Autor Graeme Macrae Burnet, was im Genre Kriminalroman alles so geht. Vielschichtig, atmosphärisch, spannend und am Ende hat man sogar etwas gelernt.