Author: lenariess

ALOIS NEBEL
Voland & Quist, 360 Seiten, ISBN 978-3-863910-12-9

Schon Wolfgang Hildesheimer ließ seinen Romanhelden in Tynset Kursbücher lesen und auch Alois Nebel, Fahrdienstleiter an einem kleinen Bahnhof an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, im ehemaligen Sudetenland, sammelt und liest am liebsten Fahrpläne („Ich lese auch gerne auf dem Klo. – Was denn? – Fahrpläne. Da ist immer alles gleich“). Geplagt wird er von Alpträumen, die ihn bei nebliger Witterung heimsuchen: Geister aus den Epochen der jüngeren Geschichte Mitteleuropas (Nazizeit, Vertreibung der Deutschen, sowjetische Besatzung) fahren in Zügen durch Alois Nebels Bahnhof. Schließlich bringen diese düsteren Visionen den Helden in eine Nervenheilanstalt. Er lernt den mysteriösen Stummen kennen und freundet sich mit ihm an. Der Kampf gegen seine Dämonen beginnt, und auch eine wunderbare Liebesgeschichte.

LANDGERICHT
Jung und Jung, 496 Seiten, ISBN 978-3-99027-024-0

Warum lese ich diesen Roman? Aufmerksam geworden wurde ich wieder einmal durch den Bücherdiwan auf Bayern 2, sowie den vielen Berichten in den Medien, denn Frau Krechel hat dieses Jahr für Landgericht den Deutschen Buchpreis erhalten. Und ich interessiere mich für Geschichte, vor allem Familiengeschichte. Was in den Köpfen der Menschen der jungen Bundesrepublik vor sich ging, ist für mich ein höchst interessantes Thema.

Nein, ein introvertierter Sänger und Gitarrist ist Bob Brozman nicht: Rasante Läufe, kraftvolle Strums, überraschende Stops, Percussions auf dem Gitarrenkorpus, zwischendurch die Gitarre einmal durch die Luft, dreimal gedreht, selbstverständlich ohne den Spielfluß zu unterbrechen… wer irgendwann einmal einen Auftritt von Bob Brozman erlebt hat, weiß wovon gesprochen wird. Seine Fans mögen das, schließlich bekommen sie die schönsten National Steel oder Bear Creek Gitarren von einem Künstler präsentiert, der alles, was irgend möglich ist, aus diesen Instrumenten herausholt. Aber es gibt auch Zuhörer, die nach einem solchen Auftritt mit gemischten Gefühlen den Heimweg antreten: Eine ohne jeden Zweifel perfekte Show haben sie gesehen, aber es hat etwas gefehlt. Etwas, das nicht nur den Mund anderthalb Stunden offen stehen läßt, sondern auch Herz und Seele berührt. Und nun kommt die neunzehnte CD daher, FIRE IN THE MIND, und der Meister selbst kündigt an, daß diese CD musikalisch weiter und tiefer als seine bisherigen Veröffentlichungen ginge. Selten war ich bei einer neuen CD so gespannt, was ich zu hören bekomme.

Harry Taussig
1965 – 2006 – 2012, das sind die Stichdaten für diesen erstaunlichen Vertreter des American-Primitive-Style. Harry Taussig, ein legendäres Debüt 1965, im Stil von John Fahey und den klassischen Ragtime und Bluesvertretern, die langersehnte Wiederveröffentlichung als CD 2006 und eine kaum noch erwartete und wunderbare zweite CD mit zehn neuen Stücken 2012. Aber der Reihe nach: