Genf

Nun muss man vielleicht niemanden erklären, wer Jorge Luis Borges (1899-1986) war, dieser argentinische Bibliothekar aus Buenos Aires, Lyriker, Meister der Kurzgeschichte und Essayist. Labyrinthische Texte, Reflexionen, phantastische Erzählungen und nicht selten eine faszinierende intellektuelle Herausforderung für die Leser. Eine legendäre Figur, deren Einfluss auf die Schriftstellergenerationen nach ihm weit über Lateinamerika hinaus unbestritten ist. Die wir Borges im Regal stehen haben, kennen die Fischer Taschenbücher, die zwanzigbändige TB-Werkausgabe von Hanser und deren zwölfbändige Jubiläums-Leinenausgabe von 1999. Damit ist nun Schluss, denn die Autorenrechte hat der relativ junge Verlag Kampa aus Zürich ersteigert. Der erste große Band mit Erzählungen liegt bereits vor, die Gedichte sollen dieses Jahr noch folgen. Neben den Erzählungen kam 2026 auch das Konzeptbuch ›Atlas‹ heraus.

Limmat Verlag Zürich 2023, 192 S., übersetzt und mit einem Nachwort von Steven Wyss, ISBN: 978-3-03926-055-3, auch als E-Book erhältlich.

Was muss man zu diesem Roman wissen, der zurzeit als »Klimaroman der Stunde« gefeiert wird? Der Autor C. F. Ramuz wurde 1878 in Lausanne geboren und verstarb 1947 in Pully bei Lausanne. Der Dichter gehört heute zu den bedeutenden Schweizer Autoren französischer Sprache und war auch als Lyriker und Essayist produktiv. Vielleicht wird der eine oder die andere »Deborence« kennen, ein Roman, der sich auf einen Bergsturz gründet und wie die allermeisten Romane Ramuz‘ im bäuerlichen Umfeld spielt? So auch »Sturz in die Sonne« das im Original »Présence de la mort« heißt. Dem wunderbar konzentrierten Nachwort des Übersetzers Steven Wyss kann man entnehmen, dass sich die neue Übersetzung im Limmat Verlag auf die gekürzte Fassung von 1941 bezieht (die Originalausgabe ist von 1922) und der jetzige Titel auf einen Arbeitstitel Ramuz‘ sich stützt.