Ricarda Huch ›Der Fall Deruga‹

Das Schaffen von Ricarda Huch (1864-1947) ist breit gefächert. Neben ihrem Romanwerk wurde sie vor allem für ihre Lyrik und kulturgeschichtlichen und historischen Werke (Die Romantik, Der Dreißigjährige Krieg, Deutsche Geschichte) gerühmt. Huch entstammt einer niedersächsischen Patrizierfamilie, ihren Stil kann man als konservativ, dabei sich aber stetig erneuernd bezeichnen. Politisch ist die Autorin eine komplexe Person, sie stand allerdings dem Nazi Regime klar feindlich gegenüber. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte Ricarda Huch unzweifelhaft zur Elite ihrer Zunft und es mag sich heute lohnen, einen Blick auf einige ihrer Werke zu werfen. Beginnen möchte ich mit ihrem 1917 erschienenen ›Der Fall Deruga‹, einen Kriminalroman oder eine Art literarischer Gerichtsroman, wenn man so will. Huch selbst nannte ihn eine Schundgeschichte, der allein zum Zwecke des Geldverdienens geschrieben wurde. Ich komme darauf noch zu sprechen. Ende der 1930er und noch einmal Ende der 1950er wurde dieser Roman um einen exzentrischen italienischen Arzt verfilmt.


Die 1864 geborene Carry (Caroline) Brachvogel war Tochter der vermögenden Münchner Kaufmannsfamilie Hellmann. Ihre Liebe zur Literatur entwickelte sich früh, allerdings veröffentlichte sie ihr erstes Schauspiel „Vergangenheit” erst 1894, ein Jahr darauf „Alltagsmensch”, ihren ersten Roman. Nach dem frühen Unfalltod ihres Ehemanns 1892 war Carry Brachvogel alleinerziehende Mutter zweier Kinder und überhaupt kein Alltagsmensch. Sie war Frauenrechtlerin und gründete eine Organisation für schreibende Frauen. Überhaupt waren ihre gesellschaftspolitischen Ansichten nicht allein für ihre Zeit erstaunlich modern. Die Münchnerin wurde schließlich in den 1920er Jahren weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie schrieb Romane, Novellen, Biografien und Feuilletons. Ab 1933 geriet sie als Jüdin ins Visier der Nationalsozialisten. 1942 wurde diese großartige Frau und Schriftstellerin in Thersienstadt umgebracht. Und sie verschwand damit auch aus den literarischen Köpfen ihres Heimatlandes.

