Christina Wessely: Löwenbaby

Matthes & Seitz, Berlin 2019, 90 Seiten, ISBN: 978-3-95757-716-0, auch als E-Book erhältlich.

LeserInnen meines Blogs wissen: Ich höre Podcasts, vor allem solche, die über Literatur sprechen. Oder aber welche, die außergewöhnliche, interessante Interviews zu Gehör bringen. »Durch die Gegend« mit Host Christian Möller habe ich vor nicht allzu langer Zeit hier vorgestellt. Herr Möller macht aber auch noch andere Sachen. Zum Beispiel stellt er als einer von mehreren ModeratorInnen Bücher zu bestimmten Themen in der WDR3 Sendung »Gutenbergs Welt« vor. Mitte April hieß das Thema »Im Tierreich« und eines der besprochenen Bücher hieß »Löwenbaby« von Christina Wessely. Ein schmales Bändchen, das eine Art kleine Kulturgeschichte der Menschen-mit-Löwenbabys Fotografie darstellt. »Wer schreibt denn über so etwas? Braucht es das auch noch?«, möchte man da ausrufen. Nun, die in Wien geborene Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Christina Wessely hatte mein Interesse mit diesem Buch sofort geweckt. Und das hat einen Grund.

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Adele Neuhauser: Ich war mein größter Feind

Brandstätter Verlag 2017, 216 S., ISBN: 978-3-7106-0090-6, auch als eBook erhältlich.

1998, mit ihrer Rolle als Mephistopheles in Goethes Faust machte Adele Neuhauser sich für das Theater liebende Regensburg unsterblich. Mein liebstes Stück war zwei Jahre später „Meisterklasse”, ein Stück über die ihre Schüler terrorisierende und in eigenen Erinnerungen gefangene Maria Callas. Ich höre noch heute mein verängstigtes Herz in der fünfzehnten Reihe klopfen. Großartig. Nach ihrem Engagement in Regensburg hob Adelele Neuhausers Karriere ab und heute ist sie aus der deutschsprachigen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Spätestens nach den ersten Folgen des Austria-Tatorts ist klar: Adele Neuhauser hat es geschafft. Daß so eine Karriere nicht immer nur glatt und reibungslos verläuft, liegt auf der Hand. In ihrem autobiographischen Buch „Ich war mein größter Feind” nimmt Adele Neuhauser Leser und Leserinnen mit in ihre Familiengeschichte und erzählt von ihren wichtigsten Lebensabschnitten. Und weil es eben Adele ist, die das tut, habe ich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben die Autobiographie einer lebenden Person des öffentlichen Lebens gelesen.  „Adele Neuhauser: Ich war mein größter Feind“ weiterlesen

Meine persönliche Parallelaktion

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Robert Musil Gesamtausgabe, Jung und Jung 2016-2022, 12 Bände, herausgegeben von Walter Fanta. Apparat und Kommentare auf www.musilonline.at. Weitere interessante Links am Ende dieses Textes.

Musil also, Der Mann ohne Eigenschaften, MoE. Zum wievielten Mal eigentlich? Immer wieder Auszüge, Strecken, Abbrüche, fast vollständig das geniale „Der Mann ohne Eigenschaften.Remix” von 2004 gehört. Dieser immer aktuelle und unzeitgemäße Roman, 1930 wird das erste Buch, dessen Handlung unmittelbar vor Ausbruch des 1. Weltkrieges spielt, herausgegeben, begleitet mich mein Leben lang. Robert Musil, der Zweifler und Unentschlossene, wurde aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen daran gehindert, diesen Roman zu Ende zu schreiben. Man könnte auch sagen: Musil scheiterte an diesem Roman. Es gibt ein erstes Buch mit zwei Teilen. Und zwei Jahre später, 1932, wurde der erste Teil des zweiten Buches veröffentlicht. Der Rest sind mehr oder weniger fertig ausgearbeitete Fortsetzungen aus dem Nachlass.  „Meine persönliche Parallelaktion“ weiterlesen

Peter Handke: Wunschloses Unglück – Erzählung

Suhrkamp 1974, 96 Seiten, ISBN: 978-3-518-39787-9, auch als eBook. Erstausgabe 1972 bei Residenz.

An einem trostlosen Wintertag 1971, dem Tag der Beerdigung seiner Mutter Maria Handke, geborene Sivec, fasste Peter Handke den Entschluss, ein Buch über das Leben der Verstorbenen zu schreiben. 1972 wurde die knapp einhundertseitige Erzählung „Wunschloses Unglück” veröffentlicht. Es wurde zu eines seiner erfolgreichsten, schönsten und berührendsten Bücher. Ich habe die Erzählung nach vielen Jahren wiedergelesen und war so beeindruckt, dass ich an dieses frühe Meisterwerk erinnern möchte. „Peter Handke: Wunschloses Unglück – Erzählung“ weiterlesen

Nicolas Mahler: Alte Meister (nach einem Roman von Thomas Bernhard)

ALTE MEISTER
Suhrkamp Verlag, 158 Seiten, ISBN 978-3-518-46293-5

Waren Asterix und Obelix und später Hergés Tim und Struppi die Comic-Helden meiner Kindheit und Jugend (und grad Hergés Zeichnungen liebe und bewundere ich heute noch mehr), so wurde ich von Jaques Tardi in die Welt der Graphic Novel eingeführt. Sein Nester Burma ist der fleischgewordene Held aus den Geheimnissen von Paris von Leo Malet (und nicht der Burma dieser unsäglichen Fernsehreihe, die mit der Atmosphäre der Malet Krimis nichts gemein hat). Seit ich Tardi kenne interessieren mich Graphic Novels. „Nicolas Mahler: Alte Meister (nach einem Roman von Thomas Bernhard)“ weiterlesen