Paris

Berenberg Verlag 2020 (2015), 160 Seiten, ISBN 978-3-946334-88-0, auch als E-Book erhältlich.

Nun können wir es wieder kaufen, dieses kleine, feine Meisterstück der Autorin Christine Wunnicke von 2015: »Der Fuchs und Dr. Shimamura«. 144 Seiten in der vergriffenen, gebundenen Ausgabe, 160 Seiten hat die neue Klappenbroschur, die Ende 2020 erschienen ist. Beide Ausgaben bei Berenberg, beide Ausgaben ein Augenschmaus. Genug um an dieses Buch in meinem Blog zu erinnern, auch wenn es schon bei seinem ersten Erscheinen vor sechs Jahren für reichlich Furore gesorgt hat. Der kleine Roman über den historisch belegten Dr. Shimamura handelt von der Fuchskrankheit, von Seelenkunde und Aberglaube in Japan, von den Anfängen der neurologischen Forschung in Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts und das Buch zeigt, was Literatur mit diesen Themen so alles anfangen kann.

Hanser 2020, 800 S., ISBN: 978-3446267695, neu übersetzt von Elisabeth Edl.

Gustave Flaubert wurde 1821 in Rouen, Frankreich geboren. Er starb 1880 in Croisset bei Rouen. Berühmt und wegweisend wurden seine Romane aufgrund seines objektivierenden Erzählstils: Keine Urteile, kein Erzähler, der in die Handlung eingreift. Die Figuren sprechen für sich und Widersprüche sind erwünscht. Dieses Credo verlangt eine besessene Recherche, für die der Autor berüchtigt war: Die beschriebenen Dinge müssen »richtig« sein, die Details haben zu stimmen. Gleichzeitig versuchte Flaubert die Sprache des Romans so nah wie möglich der Lyrik anzugleichen, der Rhythmus der Sprache ist entscheidend, jeder Satz jedes Wort hat seine Bedeutung. Kurz: Flaubert hat im Roman Neues geschaffen. Elisabeth Edl hat nach »Madame Bovary« nun auch das zweite große Meisterwerk des Franzosen übersetzt: Aus »Die Schule des Herzens«, »Lehrjahre des Gefühls« und Varianten davon wurde nun »Lehrjahre der Männlichkeit«. Ein erstes Thema für alle Kritiker der gefeierten Neuübersetzung.

Hanser 2014, 960 Seiten, ISBN 978-3-446-24614-0, herausgegeben und übersetzt von Melanie Walz. Auch als Taschenbuch bei DTV erhältlich.

Diesen Roman, den wohl schönsten von Honoré de Balzacs, besitze ich in zwei Ausgaben: Als fünftes Buch der zwölfbändigen Edition Die menschliche Komödie, herausgegeben von Ernst Sander. In dieser Ausgabe überarbeitete Ernst Sander die klassische Übertragung von Hedwig Lachmann (1865-1918). Und dann die gefeierte Neuübersetzung von Melanie Walz, die zugleich Herausgeberin der Ausgabe von 2014 ist. Eine wirklich exzellente Edition mit vorzüglichem Anmerkungsapparat. Im Dünndruck und mit zwei Lesebändchen ausgestattet, wenn man sich für die gebundene Ausgabe bei Hanser entscheidet. Ich habe also Verlorene Illusionen erneut gelesen, das erste Mal in der Übersetzung von Melanie Walz. Verlorene Illusionen erschien ursprünglich in drei Teilen, Die zwei Dichter 1837, Ein großer Mann vom Land in Paris 1839 und Die Leiden des Erfinders 1844, und ist Bestandteil des Romanzyklus Die menschliche Komödie und ihr eigentlicher Mittelpunkt.