Friedrich Glauser: Matto regiert
Unionsverlag 2005, Taschenbuchausgabe, 320 Seiten, ISBN: 3293203159, mit einem Nachwort von Hg. Bernhard Echte, Anmerkungen und einem editorischen Bericht. Textgleich mit der gebundenen Ausgabe beim Limmat Verlag, die antiquarisch noch zu erreichen ist.

Vor wenigen Wochen erschien im Schweizer Limmat Verlag der Prachtband »Friedrich Glauser. Jeder sucht sein Paradies« von Christa Baumberger. Eine Sammlung bisher zu großen Teilen unveröffentlichter Briefe, Berichte und Gespräche aus dem Leben des bedeutenden Schweizer Schriftstellers Friedrich Glauser. Doch vor der Anschaffung war eine Frage zu klären: Ich besitze aus jungen Lesetagen die Bücher aus der Wachtmeister-Studer-Reihe und die vier Erzählbände – aber interessiert mich Glauser heute überhaupt noch, hat er mir noch etwas zu sagen? Das sollte möglichst vor dem Kauf eines solchen Prachtbands geklärt werden. Ich zog Glausers Meisterstück aus der 6-bändigen Wachtmeister-Studer-Kassette des Unionsverlags, die heute mit Glück noch antiquarisch zu erreichen ist. »Matto regiert« also habe ich nach vielen Jahren wiedergelesen. Und es war eine erstaunliche Lektüre.








London, vielleicht bald. Diese Zeile ist dem neuen Roman von Zoë Beck vorangestellt. Und ich bin ehrlich: Anfangs fand ich diese Zeile ein wenig arm. Vielleicht? Bald? Was soll das heißen? Aber diese Worte passen hervorragend und man kommt während und nach der Lektüre immer wieder auf diese Zeile zurück. Vielleicht schon ganz nah? Denn der Thriller spielt, so scheint es, fast in der Gegenwart. Brexit, die aufstrebende Rechte, Spaltung der Gesellschaft, blanker Rassismus (wir denken heute an den Grenfell Tower) und eine durch und durch korrumpierte Drogenpolitik. Das sind die wichtigsten Themen dieses Buches. Ein ganz starker zeitkritischer Krimi von Zoë Beck, der ohne Belehrung auskommt, dafür aber viel Spannung bietet. Und so ganz nebenbei gesellschaftliche Probleme ausspricht, für die es keine einfachen Lösungen gibt.
Wenn man will, kann man die zwölf Erzählungen, die mit dem verstörenden „Der schmutzige Junge” beginnen und dem titelgebenden, schier unerträglichen bedrückenden „Was wir im Feuer verloren” enden, als eine Sammlung von nahezu perfekt komponierten Horrorgeschichten ansehen. Es ist alles, was das Genre fordert, vorhanden: psychotische Menschen, grausame Geschehnisse, überraschende Wendungen und Schockmomente. Die Schlussakkorde der Geschichten sind fast immer stimmig, nichts was Liebhaber des Grauens vermissen werden. „Was wir im Feuer verloren” ist den Romanen und Erzählungen eines Lovecrafts, Borges oder McCarthys durchaus ebenbürtig. Doch Mariana Enriquez Band ragt über das Genre noch hinaus, bedient sich sozusagen der Schreckensgeschichten als Folie, um auch noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen: Die von den verlorenen Generationen Argentiniens. Und sie erzählt modern, mit herausragendem sprachlichen Talent, Lob an dieser Stelle auch der Übersetzerin Kirsten Brand, und sie erzählt aus weiblicher Perspektive.
Wir sind im Nordwesten Schottlands, man schreibt das Jahr 1869, es ist August. In einem kleinen Bauerndorf werden auf brutale Art und Weise drei Mitglieder der Familie Lachlan Mackenzie, dem neuen Constabler des Dorfes, niedergemetzelt: Mackenzie selbst, seine Tochter und sein Sohn. Mörder ist der siebzehnjährige Roderick Macrae, Sohn eines verarmten Nachbars und Crofters, einem schottischen Kleinbauern. In Ordnung, dann wäre der Fall ja gelöst und niemand braucht das Buch mehr zur Hand zu nehmen. Mitnichten, denn in diesem Kriminalfall geht es um das Wie und Warum. In seinem zweiten Buch, das erste wird aufgrund des Erfolgs von „Der Fall Roderick Macrae” demnächst in deutscher Übersetzung erscheinen, zeigt der schottische Autor Graeme Macrae Burnet, was im Genre Kriminalroman alles so geht. Vielschichtig, atmosphärisch, spannend und am Ende hat man sogar etwas gelernt.