Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN
Aufbau-Verlag, 704 Seiten, ISBN 978-3-7466-2811-0
Die Handlung des Romans ist rasch erzählt: Der Sohn des stillen, unnahbaren Arbeiters Otto Quangel und dessen Frau Anna stirbt 1940 im Krieg. Erschüttert und voll ohnmächtigen Zorns beschließen sie, Widerstand gegen das unmenschliche System zu leisten. Sie schreiben Postkarten mit eindeutigen, einfachen Botschaften, die das Nazi-Regime als verbrecherisch entlarven sollen, und verteilen diese in Berlin. Sie werden gefaßt und 1943 hingerichtet. Soweit stimmen die Begebenheiten mit den tatsächlichen Geschehnissen in Berlin der 1940er Jahren überein. Das Ehepaar hieß in Wirklichkeit Hampel, im Buch sind Gestapo-Fotos von ihnen zu sehen. Dann aber fügt Fallada den historischen Fakten Figuren und Begebenheiten hinzu und malt so ein Sittenbild der einfachen Leute im Dritten Reich: ungeschönt, rauh und sehr nah. Hier liegt die ungeheure Stärke dieser großen und letzten Erzählung von Hans Fallada (Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, Kleiner Mann – was nun?, Der Trinker, Wolf unter Wölfen), und, ein wenig, auch seine Schwäche.

Und wieder was mit 200 Seiten. Die Geschichte ist verzwickt: Keith Stapperpfennig wuchs beim Großvater auf. Zusammen mit vier Geschwister und diversen, immer jünger werdenden Großmüttern. In die letzte Großmutter verliebt sich Keith. Zu Großvaters Achtzigsten bekommt dieser von seinen Enkeln eine Reise nach China geschenkt. Allein: begleiten will ihn keiner, es bleibt am Schluß an Keith hängen. Dieser allerdings verjubelt die Reisekosten, muß den Großvater allein reisen lassen und erfährt bald darauf, daß dieser im Westerwald gestorben sei. Nun muß der Held für die Geschwister eine Geschichte erfinden, damit diese glauben, daß die Reise nach China stattgefunden hat.