Jack London: Ein Feuer machen. Wofgang Tischer: Eine Reise zu Jack London in den Yukon.

Jack Londons berühmte Erzählung „Ein Feuer machen” war in Deutschland lange nicht mehr als Einzelausgabe erhältlich. Nun hat sich der bekannte Journalist und Literaturkritiker Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) an die Neuübersetzung gemacht und die Kurzgeschichte ist jetzt für schmales Geld als E-Book erhältlich. Die Erzählung in ihrer populären zweiten Fassung von 1908 ist sozusagen Jack London in nuce: Existenzkampf pur. Wem ist in diesen Tag einfach zu kalt ist, sollte diese Kurzgeschichte unbedingt lesen, denn er wird danach feststellen, daß in unseren Breiten meteorologisch alles wunderbar eingerichtet ist. Neben dem Text gibt es einen mit reichem Bildmaterial versehenen Bericht des Übersetzers Wolfgang Tischer über seine Reise an den Yukon nach Dawson City  anläßlich des 100. Todestags von Jack London. Empfehlenswert auch für den, der sonst nicht so auf Jack London steht.

Näheres zu dem Projekt findet sich hier: http://www.literaturcafe.de/ein-feuer-machen-eine-reise-zu-jack-london-in-den-yukon/

John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

Blumenbar 2016, übersetzt von Alex Capus 144 Seiten, ISBN: 978-3-351-05031-3, auch als E-Book erhältlich.

Es ist ein paar Jahrzehnte her, als ich bei einem Nachbarn in einem mit merkwürdig duftenden Rauchschwaden geschwängerten kleinem Zimmer saß, in dem viel Bier und Wein getrunken und über Bücher gequatscht wurde. Ich gab ein wenig mit meinen Hausheiligen Bernhard, Arno Schmidt und Schopenhauer an, während Franz es einfacher hielt: Er lese John Fante, der sei ein bißchen wie Bukowski, toller Autor. Klang interessant. „John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr“ weiterlesen

Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels

Liebeskind Verlagsbuchhandlung, 2011, ISBN 9783935890854, 302 Seiten, auch als Ebook erhältlich.

Bestie Mensch. Auf knappe dreihundert Seiten eine Ansammlung von Brutalität, Tücke, Amoralität, Hinterlist und religiöser Perversität. Menschen am Abgrund und in Düsternis, den Schein von Zivilisation vortäuschend. Hauptsächlich in Virginia und Knockemstiff/Ohio spielt Ende der 1950er und während der 1960er Jahre dieser menschliche Irrsinn. Als puren Trash könnte man diesen Roman abtun, wäre da nicht noch einiges mehr, das dieses Buch auf eine Stufe mit Cormac McCarthys „Verlorene” stellt. „Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels“ weiterlesen

Ramez Naam: Nexus

Heyne, 2014, ISBN 978-3-453-31560-0, 624 S., auch als eBook erhältlich

Um die abgedrehte Handlung dieses futuristisch-wissenschaftlichen Thrillers zu umreißen, bemühe ich den Verlagstext: „Die nahe Zukunft: Die Nano-Droge Nexus ermöglicht es den Menschen, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu überschreiten und mit dem Bewusstsein anderer in Verbindung zu treten – ein gewaltiger Schritt in der Evolution des Menschen. Als jedoch eine Gruppe skrupelloser Wissenschaftler Nexus für ihre eigenen Zwecke missbraucht, zwingt die US-Regierung den jungen Nano-Techniker Kade Lane, sich in die Organisation einzuschleusen, um ihrem Treiben ein Ende zu bereiten. Lane gerät in einen Strudel aus Machtgier, Korruption und Mord …“ „Ramez Naam: Nexus“ weiterlesen

Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger

Diogenes 2013, ISBN 978-3-257-24224-9, 592 Seiten, auch als eBook erhältlich.

Fragt man mich nach meinen Lieblingsbüchern, so nenne ich neben anderen auch gern „Das Herz ist ein einsamer Jäger (The heart is a lonely hunter)“ von Carson McCullers. Ich verschenke das Buch sehr oft, selbst gelesen habe ich es vor vielen, vielen Jahren. Als ich vor wenigen Wochen das Buch wieder einmal als Geschenk verpackt habe, kamen mir die Idee und auch die große Lust, es erneut zur Hand zu nehmen. Es ist bekanntlich immer eine spannende Angelegenheit, ein geliebtes Buch nach langer Zeit wieder zu lesen. Enttäuschung, neue Perspektiven, Déjà-vu-Erlebnisse, Bewußtwerdung der eigenen Entwicklung … vieles ist möglich und so war ich sehr gespannt. „Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger“ weiterlesen

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

C.H.Beck, 2014, ISBN 978-3-406-66751-0, 528 Seiten, auch als eBook erhältlich.

Kriegsende vor siebzig Jahren, da war es auch an mir, eine zum Ereignis passende Neuerscheinung zu lesen. Fast neu, denn „Alles Licht, das wir nicht sehe“ erschien bereits 2014 als deutsche Übersetzung. Inzwischen gibt es viele positive Besprechungen hierzulande und Anthony Doerr hat für den Roman den Pulitzerpreis 2015 in der Sparte Belletristik erhalten.

Es geht in diesem über fünfhundert Seiten starken Werk in der Hauptsache um zwei Personen: Marie-Laure ist ein junges, selbstsicheres, früh erblindetes Mädchen, das während des 2. Weltkriegs aus dem besetzten Paris zu ihrem Onkel nach Saint-Malo fliehen muß. Von ihrem Vater, einem begnadeten Handwerker und Mitarbeiter des „Muséum National d’Histoire Naturelle“, hat sie ein Holzmodell Saint-Malos geschenkt bekommen, damit sie sich ihre Umgebung ertasten kann. In diesem Modell, respektive in einem Haus des Modells, ist ein blauer, mit mystischer Bedeutung aufgeladener Diamant versteckt. 1944 beginnt in Saint-Malo die Befreiung durch die Alliierten. Wegen ihres Handicaps verpaßt es Marie-Laure, aus der umkämpften Stadt zu fliehen. In dieser Situation trifft sie auf Werner Hausner. „Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen“ weiterlesen

Chris Ware auf der Leipziger Buchmesse, März 2013

Chris Ware, der Erschafffer des außergewöhnlichen Comics „Jimmy Corrigan – Der klügste Junge der Welt“, das es jetzt endlich auch in deutscher Sprache gibt, auf der Leipziger Buchmesse. Der Ton ist leider nicht so berühmt, interessant ist das Interview auf jeden Fall. Einen lesenswerten Aufsatz von Katja Lüthge über die berühmte Graphic Novel gibt es hier in der Taz zu lesen. Wer Leseproben ansehen will, sei auf die entsprechende Seite des Reprodukt Verlags hingewiesen.

Craig Thompson: Habibi

HABIBI
Reprodukt, 672 Seiten, ISBN 978-3-941099-50-0

In dieser 2011 erschienenen Graphic Novel des Amerikaners Craig Thompson (sein „Blankets“ erhielt 2005 auf der Frankfurter Buchmesse den Preis als bestes Comic des Jahres) wird eine Geschichte wie aus Tausendundeiner Nacht erzählt, eine moderne Odyssee, eine islamische (und zugleich biblische) Mythologie in Bildern … eine Huldigung der Kalligraphie, des gesprochenen und geschriebenen Wortes und ein leidenschaftliches Plädoyer für die Liebe. Die 660 Seiten von Habibi (zu übersetzten mit „mein Geliebter“) bieten das alles und noch vieles mehr … ein ganz und gar wunderbar-wunderliches Buch.

„Craig Thompson: Habibi“ weiterlesen