Notizen zu Arthur Machens ›Die drei Häscher‹

Meine Lektüre war in mehrfacher Hinsicht besonders. Arthur Machen, ein walisischer Autor, der von 1863 bis 1947 gelebt hat, ist ein immer wieder genannter Geheimtipp der Horror-Literatur. Man könnte, so Joachim Kalka, dem Übersetzer der 2025 im ›Elfenbein Verlag‹ in 2. Auflage erschienenen sechsbändigen Werkausgabe, Arthur Machen auch einen Mystiker nennen. Machens wichtige Werke entstanden innerhalb von 15 Jahren, in denen der Autor finanziell unabhängig war. In seiner Literatur finden sowohl das wildromantische Wales, die Heimat von Elfen und anderen Elementargeistern, wie auch der Moloch London, der zur modernen, unübersichtlichen Metropole wird, ihren Platz.

Die Werkausgabe

Die Werkausgabe beginnt mit ›Die drei Häscher oder Die Verwandlung‹, im 1895 erschienen Original ›The Three Impostors, or, The Transmutation‹. Der Übersetzer Kalka setzt dem Roman eine angenehm straffe Einführung voran. Der Roman selbst hat 200 Seiten. Es folgt die kurze Erzählung ›Der verlorene Club‹ und ein Nachwort, wiederum von Joachim Kalka. Die Aufmachung ist schlicht (im positiven Sinn) und ansprechend, ein Buch, das man gern in der Hand hält. Erwähnen möchte ich, dass die sechs Bände zusammen preiswerter zu erwerben sind als beim Einzelkauf. Wie mir scheint, geht es bei der Auswahl der Bände darum, die Breite der Themen bei Machen zu zeigen. Es werden bisher unbekannte Erzählungen dazugegeben, aber Highlights wie ›Der große Pan‹ (Bd.5) oder ›Die Bogenschützen‹(Bd. 3) fehlen nicht.

Die drei Häscher

Worum geht es also in ›Die drei Häscher‹? Der Prolog führt uns zu drei Personen, zwei Männern und einer Frau, die aus einem Haus tretend Gespräche führen, auf die ich mir als Lesende erst einmal keinen Reim machen kann. Die Atmosphäre allerdings ist ohne Zweifel unheilschwanger. Am Ende des Prologs, die drei Gestalten sind inzwischen weg, treten Charles Phillips und Dyson hinzu und werden nun zu unseren Hauptpersonen. Die beiden Snobs, die sich behaglich über die richtige Weltauffassung streiten, beobachten in der weiteren Handlung einen jüngeren Mann mit Brille, der panisch vor einem Mann mit einem Messer flüchtet. Auf der Flucht verliert dieser Mann eine auffällige Münze (oder entledigt er sich ihr?), die sich später als wertvolle antike, römische Münze entpuppen wird. Phillips und Dyson versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. »Wir sind in Berührung mit dem unbekannten Verbrecher.« Der Mann mit der Brille läuft ihnen auch tatsächlich wieder über den Weg, doch anstelle den Fall nach Detektivart zu klären, treffen auf die beiden Protagonisten immer wieder Personen, die ihnen Geschichten mehr oder weniger aufdrängen. Mal sind diese Binnenerzählungen interessant, dann wieder eher schlampig und unlogisch konstruiert, mal kommen sie ewig nicht zum Punkt, aber alle haben sie einen mystisch-unheimlichen Hintergrund. Wir haben hier also als Romankonstruktion eine Rahmenerzählung und mehrere Binnenerzählungen, die zum Teil wiederum zu Rahmenerzählungen werden. Das unterhält, ist aber auch ein wenig verwirrend. Während des Lesens drängt sich durchaus die Frage auf, was das alles eigentlich soll. Der Schluss dann allerdings, also die Auflösung dieser Geschichte, das verspreche ich, hat es in sich. Großartig!

Mein Resümee

›Die drei Häscher‹ ist eine besondere Art der Detektivgeschichte, eine geheimnisvolle Erzählung mit Knalleffekt. Stevenson ›New Arabian Nights‹ stand Pate und auch Lovecrafts Stimme ist hier schon zu hören. Die Beschreibungen sind sehr gelungen, grad auch wenn es um die unberechenbare Natur oder fremdartige Viertel Londons geht. Dazu hat der Roman Humor, der Stil Machens kann den britischen Snob nicht verbergen. Da ich Machens bisher nur vom Hörensagen kannte, empfand ich die Erzählung als auf eine Art frisch und neuartig: Gewinnt bei den Zeitgenossen Doyle oder Chesterton am Ende die Vernunft, obsiegt bei Machen das Irrationale und das Böse. Das muss man mal gelesen haben.

Weitere Details

Sehr gern weise ich auf den Blog litteratur.ch hin, in dem vor wenigen Wochen das Buch detailliert besprochen wurde. Aber aus guten Gründen mache ich darauf aufmerksam, das man diesen kenntnisreichen Beitrag erst nach der Lektüre des Romans lesen sollte. Auf keinen Fall als Einführung. Und noch ein Tipp: Es macht Sinn, das Buch nicht zu sehr zerstückelt zu lesen. Ich hatte bei der ersten Lektüre etwas viel um die Ohren, so dass ich zwischendrin ein wenig den Faden verlor. Ich habe das Buch ein zweites Mal gelesen, doch da kannte ich leider schon die fatale Wendung am Schluss.

Meine Ausgabe

Arthur Machen: ›Die drei Häscher« oder: Die Verwandlungen‹. Mit der erstmals übersetzten Erzählung ›Der verlorene Club‹. Aus dem Englischen übersetzt, mit einem Nachwort sowie einer Einführung zur Werkausgabe versehen von Joachim Kalka 2019, 232 S., ISBN 978–3–96160–021–2.

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