David Garnett: Dame zu Fuchs

Dörlemann Verlag 2016, ISBN 978-3-03820-026-0, 160 Seiten, auch als eBook erhältlich
Übersetzt von Maria Hummitzsch

Diesen kleinen Roman einzuordnen, fällt nicht leicht. Und vielleicht sollte man das auch einfach lassen, denn es ist ein Gewinn, dass man diese Geschichte in vielen Lesarten genießen kann: Ende des neunzehnten Jahrhunderts schreit während eines Spazierganges Mrs. Silvia Tebrick, geborene Fox, auf und als ihr Ehemann Mr. Tebrick sich ihr zu wendet, sieht er statt seiner Gattin einen Fuchs, genauer gesagt eine Fähe, die einst seine Frau war. Mit fast stoischer Ruhe und Gelassenheit nimmt er dieses Mysterium an und führt fortan mit seiner Frau der Fähe das Eheleben so gewohnt wie möglich weiter. Er kündigt dem Hauspersonal, beziehungsweise schickt es für unbestimmte Zeit in den Urlaub, um einen Skandal zu vermeiden. Das Problem: Die sich an ihr früheres Leben erinnernde Füchsin verwildert zusehens. Ihr einstiges Menschsein verschwindet nach und nach aus ihrem Fähenbewußtsein. Wer sich nun an Kafkas „Die Verwandlung” erinnert fühlt, liegt nicht so falsch. Mit einer großen Gelassenheit wird auch hier die plötzliche Verwandlung zur Kenntnis genommen, auch hier spielen psychologische Vorgänge eine wichtige Rolle, aber die Kälte der Familie in Kafkas Erzählung weicht in Garnetts kurzem Roman der unerschütterlichen Liebe des Ehemanns. Der Roman weißt einige überraschende Wendung auf, hat rührende Szenen und ein berückendes Ende. Es darf hier nicht zu viel verraten werden.

„Dame zu Fuchs” war David Garnetts erster Roman und wurde 1922 veröffentlicht. Garnett selbst führte ein recht bewegtes Leben und gehörte der berühmten „Bloomsbury Group” an, deren bekannteste Vertreterin Virginia Woolf war. Der Roman wurde bereits in den 1950er Jahren ins Deutsche übersetzt und hieß damals „Meine Frau die Füchsin”. Nun wurde er wiederentdeckt, dem Zürcher Dörlemann Verlag sei gedankt, und von Frau Maria Hummitzsch neu übersetzt. Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich durch die Literaturagenten von radioeins (Sendung vom 22.05.16), deren treue Hörerin ich bin.

„Dame zu Fuchs” von David Garnett ist ein wahres Kleinod, ein ideales Buch auch zum Verschenken: Es bietet Phantastik, Spannung, Psychologie und noch vieles mehr. Kaufen und lesen, das wäre mein unbedingter Ratschlag.

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