Antje Herzog: Lampe und sein Meister Immanuel Kant

Büchergilde Gutenberg 2017, 152 S., ISBN 978-3-86406-068-7, durchgehend illustriert und handgelettert, zweifarbig gedruckt, Format 21 x 27 cm.

Geboren 1724 in Königsberg in Ostpreußen, der Haupt- und Residenzstadt in Preußen, die heute Kaliningrad heißt. In dieser Stadt wird er auch fast 80-jährig sterben. Ein Gigant der Philosophie: Immanuel Kant. 1781 und 1787 schrieb er eines der folgenreichsten Bücher der Philosophiegeschichte: Die »Kritik der reinen Vernunft«. In seinem Hauptwerk analysierte Kant die Grenzen der menschlichen Vernunft und damit die der Wissenschaft. Der Gottesbeweis war widerlegt und die katholische Kirche setzte das Werk 1827 auf den Index der verbotenen Bücher. Seit der Veröffentlichung der »Kritik der reinen Vernunft« ist klar: Die Welt ist das, was wir uns vorstellen. Viele seiner Zeitgenossen hat dieses Buch schockiert und in Verzweiflung gestürzt und es bleibt für die Wissenschaft bis heute folgenreich. In einer Graphic Novel hat Antje Herzog diesem »Alleszermalmer« und schrulligen Zeitgenossen ein modernes Denkmal gesetzt, indem sie Anekdoten und Episoden aus dem Leben des Philosophen auf 152 Seiten nacherzählt. Ihre Illustrationen sind in schwarz-weiß gehalten, unterbrochen von einem leuchtend-warmen Gelb, der Lieblingsfarbe Immanuel Kants. Die Graphic Novel wurde 2017 veröffentlicht und ich habe sie jetzt mit dem allergrößtmöglichen Vergnügen gelesen.

Eine erste schwarze Doppelseite mit hellen Punkten. Rechts ein gelber Fleck(?). Links unten ein Kant Zitat: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.«. Darunter der erklärende Text: Sternenhimmel am 12. Februar 1804 – Immanuel Kants Todestag. Man blättert um und sieht noch einmal den gleichen Sternenhimmel, der gelbe Fleck wird größer. Noch einmal geblättert, dann noch einmal: Eine Hand zündet eine Kerze an. Die Hand gehört dem ehemaligen Soldaten und Diener Kants Lampe. Eine Uhr ist zu sehen. »Es ist Zeit!«, 4:55 Uhr, die Stimme Lampes in Fraktur. Immanuel Kant erwacht. So beginnt die 152 seitige Hommage an den großen Philosophen Immanuel Kant. Wir begleiten Kant und seinen Diener durch den Tag und wohnen Kants Gewohnheiten und Marotten mit Zuneigung und Sympathie bei. Eine fremd gewordene Welt, ein eigenartiges Leben. Der Stil mal ganzseitig, dann verschieden angeordnete Panels … man bleibt immer gespannt, was auf der nächsten Seite kommt. Lampes Sprechen in Fraktur, Kants in Kurrent, allerdings in äußerst gemäßigter Form, also ohne Schwierigkeit lesbar. Die einzelnen Sequenzen enthalten relativ wenig Philosophie, dafür viel Alltag einer längst vergangenen Zeit und auch das alte Königsberg bekommt hier seinen Platz. Ein Extralob für das Quellenverzeichnis am Ende, das Illustrationen wie Texte zuordnet. Die Büchergilde Gutenberg als Ort für buchkünstlerische und buchhandwerkliche Tradition: Die Graphic-Novel von Antje Herzog passt perfekt in dieses Konzept. Ein großer Spaß und Genuß.

4 Gedanken zu „Antje Herzog: Lampe und sein Meister Immanuel Kant“

  1. Wie schön!
    Deine spannende Beschreibung macht Lust auf mehr.
    Ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr so oft unschlüssig in den Buchhandlungen stehen und herumsuchen muss, denn ich habe ja jetzt deine Empfehlungen..
    Deine Tipps treffen immer wieder meinen Geschmack!
    Sonnige Grüße aus dem Bergischen Land…
    von Rosie

    1. Uih, das ist mal ein Kompliment! Vielen Dank Rosie, freut mich kolossal! Du hättest mit dem Kant von Antje Herzog wahrscheinlich noch mehr Freude als ich, da Du Dinge entdecken würdest,die ich gar nicht sehe. Bist ja sozusagen vom Fach. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Tolle Graphic-Novel
      Liebe Grüße,
      lena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.